{"id":2877,"date":"2022-07-07T14:30:08","date_gmt":"2022-07-07T12:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/skr-ag.com\/?p=2877"},"modified":"2025-10-14T08:47:21","modified_gmt":"2025-10-14T08:47:21","slug":"inflation-in-der-eurozone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/skr-ag.com\/de\/2022\/07\/07\/inflation-in-der-eurozone\/","title":{"rendered":"Inflation in der Eurozone \u2013 was tun?"},"content":{"rendered":"\n<p>Die EU k\u00e4mpft mit der Inflation: Im Mai betrug die <a href=\"https:\/\/www.inflationsrate.com\/#Eurozone_im_weiteren_Sinn_HVPI_2021_8211_2022\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Preissteigerung im Euroraum<\/a> durchschnittlich 8,1 Prozent. Frankreich und Deutschland lagen mit 5,2 sowie 7,9 Prozent knapp drunter, Gro\u00dfbritannien mit 9,1 Prozent schon deutlich dr\u00fcber. Die h\u00f6chsten Inflationsraten verzeichneten allerdings Estland mit 20,1 Prozent und Lettland mit 16,4 Prozent &#8211; Preissteigerungen, die Gesellschaft und Bev\u00f6lkerung massiv unter Druck setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Treiber der Inflation sind in erster Linie steigende Energiekosten sowie gest\u00f6rte Lieferketten. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr liegen klar auf der Hand: Die Pandemie hat die global vernetzte Wirtschaft hart getroffen und Lieferketten durcheinandergewirbelt, in China wird die Null-COVID-Politik f\u00fcr weitere Lockdowns sorgen und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine versetzt uns einen weiteren Schock: Energie wird knapp, die Energiekosten schnellen auf Rekordh\u00f6he, aber auch bei Metallen, Feldfr\u00fcchten und Holz gibt es Lieferengp\u00e4sse und Preissteigerungen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Besteht die Gefahr einer Stagflation?<\/h3>\n\n\n\n<p>Stagflation bedeutet das gleichzeitige Auftreten von wirtschaftlicher Stagnation gepaart mit hoher Arbeitslosigkeit, nicht angelasteten Produktionskapazit\u00e4ten und Inflation. Ausl\u00f6ser ist meistens ein Angebotsschock oder die Verknappung von Waren. Was in der derzeitigen Situation ganz klar fehlt: die Arbeitslosigkeit. In vielen L\u00e4ndern ist es vielmehr so, dass Arbeitskr\u00e4fte dringend gesucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch sehen wir eine Stagnation und eine Inflation: Im ersten Quartal 2022 lag das Wirtschaftswachstum in vielen Eurol\u00e4ndern wie zum Beispiel auch in Deutschland kaum \u00fcber dem Nullpunkt und die Inflationsrate war so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr. Die aktuell hohen Inflationsraten sorgen schon jetzt f\u00fcr steigende Lohnforderungen. <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/konjunktur\/nachrichten\/wachstum-und-inflation-stehen-wir-vor-einem-jahrzehnt-der-stagflation-vier-gruende-die-dafuersprechen\/28256030.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das k\u00f6nnte zu einer Stagflation f\u00fchren.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>So warnt Bundeskanzler Olaf Scholz in Deutschland vor einer \u201edauerhaften Inflationsspirale\u201c und ruft Vertreter von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu einer \u201ekonzertierten Aktion\u201c auf. Am 4. Juli trifft er sich mit jeweils acht Teilnehmern von Gewerkschaften und Arbeitgebern, dar\u00fcber hinaus sind die Deutsche Bundesbank und der Sachverst\u00e4ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mit dabei. Bei diesem Treffen soll dar\u00fcber diskutiert werden, wie mit der Preisentwicklung weiterhin umgegangen werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was kann nationale Politik ausrichten?<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Ursachen f\u00fcr teure Preise k\u00f6nnen die einzelnen nationalen Regierungen derzeit nicht beheben. Denn gegen die Inflation w\u00fcrde helfen, wenn \u00fcberall auf der Welt wieder normal produziert w\u00fcrde, Logistik reibungslos verliefe, Europa wieder reichlich Energie zur Verf\u00fcgung h\u00e4tte. Doch genau das ist im Moment nicht zu haben. Das entscheidende Problem ist also das fehlende Angebot \u2013 bei Waren und bei Energie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die L\u00e4nder k\u00f6nnen aber versuchen, die schlimmsten Folgen der Teuerung insbesondere f\u00fcr \u00e4rmere Bev\u00f6lkerungsschichten abzufangen, und eine hartn\u00e4ckige und hohe Inflation bei dauerhaft niedrigem Wachstum zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Erste Ma\u00dfnahmen sind sichtbar, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/weltwirtschaft\/inflation-europa-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dabei gehen die L\u00e4nder ganz unterschiedliche Wege:<\/a><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Deutschland<\/strong> spendierte der Bev\u00f6lkerung einen Tankrabatt sowie das 9-Euro-Ticket f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Nahverkehr, einkommensteuerpflichtige ArbeitnehmerInnen profitieren von einer Energiepreispauschale in H\u00f6he von 300 Euro, Hartz-IV-Empf\u00e4nger erhalten einen einmaligen Zuschuss zum Regelsatz, um die Kosten f\u00fcr Strom aufzufangen, Familien einen 100-Euro-Bonus zum Kindergeld. Ein Masterplan soll nach der \u201ekonzertierten Aktion\u201c vorgelegt werden;<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gro\u00dfbritannien<\/strong> zieht den Haushalten im Oktober 400 Pfund (465 Euro) von ihrer Energierechnung ab, Geringverdiener erhalten eine Einmalzahlung von 650 Pfund ((756 Euro), es gibt dar\u00fcber hinaus Sonderzahlungen f\u00fcr alte Menschen und Menschen mit Behinderung. Bereits im M\u00e4rz wurde die Mineral\u00f6lsteuer um umgerechnet 5,8 Cent gesenkt;<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Frankreich<\/strong> genehmigte Millionen Haushalten einen 100-Euro-Energiescheck und Geringverdienern einen Inflationsausgleich ebenfalls von 100 Euro, deckelte den Strompreis und hat den Gaspreis bis Juni eingefroren;<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Griechenland<\/strong> stellt seiner Bev\u00f6lkerung Hilfsgelder in Aussicht;<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Polen<\/strong> hat ein Ma\u00dfnahmen-Paket unter dem Namen \u201eAntiinflationsschutzschild\u201c eingef\u00fchrt, das Steuersenkungen und finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr die \u00e4rmsten Haushalte umfasst,<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Spanien<\/strong> senkt deutlich die Mehrwertsteuer auf Strom und die Stromerzeugungssteuer .<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/service\/inflation-bank-of-england-erhoeht-leitzins-a-49c277b5-400e-4c44-a989-ac5252fdf095\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einige L\u00e4nder heben ihre Leitzinsen an<\/a>, Tschechien auf nunmehr 4,5 Prozent; Gro\u00dfbritannien j\u00fcngst um 0,25 Prozentpunkte auf 1 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) \u00fcbt den Spagat<\/h3>\n\n\n\n<p>Den Weg einer vorsichtigeren Ausgabenpolitik geht nun auch die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) und versucht dabei die richtige Balance zu finden: Zum 1. Juli 2022 <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/ezb-plant-hoehere-leitzinsen-erste-auswirkungen-auf-verbraucher-18090696.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hebt die EZB den Leitzins<\/a> moderat um 25 Basispunkte an . Im September soll eine weitere Zinsanhebung kommen. Damit werde ein \u201eallm\u00e4hlicher, aber nachhaltiger Pfad\u201c weiterer Zinserh\u00f6hungen eingeschlagen. F\u00fcr die die EZB ein Spagat: Denn ob es gelingt, die Zinsen zu erh\u00f6hen, ohne die Konjunktur abzuw\u00fcrgen, muss sich erst noch herausstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis sagt dazu in einem <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/europas-wirtschaft-das-problem-der-inflation-ist-groesser-als-angenommen-eu-kommissionsvize-stimmt-auf-sparpolitik-ein\/28447378.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview im Handelsblatt<\/a>: \u201eDie Periode des billigen Geldes geht ihrem Ende entgegen.\u201c Auch neue Konjunkturprogramme lehnt Dombrovskis trotz der abflauenden Wirtschaftsdynamik ab: \u201eWir haben es prim\u00e4r mit einem Angebotsschock zu tun, mit Engp\u00e4ssen und Lieferst\u00f6rungen. Da hilft es nichts, die Nachfrage fiskalpolitisch zu stimulieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mehr Zusammenarbeit, mehr Integration<\/h3>\n\n\n\n<p>Fakt ist: Die Weltwirtschaft befindet sich im Ausnahmezustand, der Krieg und seine wirtschaftlichen Folgen sind f\u00fcr den Euroraum eine weitere Bew\u00e4hrungsprobe. Noch ist der Euroraum eine heterogene Gemeinschaft, deren Mitglieder sich in Wirtschaftspolitik und -struktur stark voneinander unterscheiden. Die Inflation wird den Druck auf die Bev\u00f6lkerung, die Gesellschaften und auch auf unsere demokratischen Systeme weiter erh\u00f6hen. Bisher haben die Schocks f\u00fcr eine engere Zusammenarbeit gef\u00fchrt. Richtig so: Denn um die L\u00e4nder der Eurozone widerstandsf\u00e4hig zu machen, hilft nur eins: eine noch tiefergehende wirtschaftliche und politische Integration.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch die engere Zusammenarbeit zwischen der EU und den USA kann f\u00fcr mehr Stabilit\u00e4t sorgen: Der EU-USA Handels- und Technologierat (TTC \u2013 Trade and Technology Council) wurde erst im letzten Jahr gegr\u00fcndet und sorgt jetzt schon f\u00fcr eine vertiefte Zusammenarbeit. <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/TTC-US-text-Final-May-14.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">So wurde gemeinsam beschlossen<\/a>, dass Dual-Use-Produkte, also zivile G\u00fcter, die auch in der R\u00fcstungsindustrie genutzt werden k\u00f6nnen, nicht mehr nach Russland exportiert werden d\u00fcrfen. Weitere Gruppen des TTC arbeiten an der Sicherstellung der Lieferketten in der Chipindustrie, am Abbau der Handelshemmnisse oder der gegenseitigen Anerkennung von Regulierungen, z. B. in der Pharmaindustrie. Die Wirtschaftsr\u00e4ume der Demokratien r\u00fccken zusammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU k\u00e4mpft mit der Inflation: Im Mai betrug die Preissteigerung im Euroraum durchschnittlich 8,1 Prozent. Frankreich und Deutschland lagen mit 5,2 sowie 7,9 Prozent knapp drunter, Gro\u00dfbritannien mit 9,1 Prozent schon deutlich dr\u00fcber. 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