{"id":5324,"date":"2025-11-04T12:02:03","date_gmt":"2025-11-04T12:02:03","guid":{"rendered":"https:\/\/skr-ag.com\/?p=5324"},"modified":"2025-11-04T12:02:03","modified_gmt":"2025-11-04T12:02:03","slug":"skr-analyse-chinesische-plattformokonomie-verschiebt-machtverhaltnisse-in-der-logistik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/skr-ag.com\/de\/2025\/11\/04\/skr-analyse-chinesische-plattformokonomie-verschiebt-machtverhaltnisse-in-der-logistik\/","title":{"rendered":"SKR-Analyse: Chinesische Plattform\u00f6konomie verschiebt Machtverh\u00e4ltnisse in der Logistik"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><strong>Chinesische Online-Plattformen wie Temu und Shein ver\u00e4ndern die europ\u00e4ischen Handels- und Logistikstrukturen in hohem Tempo. Mit massiven Investitionen in eigene Fulfillment- und Distributionszentren etablieren sie lokale Liefernetzwerke, die klassische Paketdienste und H\u00e4ndler zum Umdenken zwingen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse der SKR AG.  <\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTemu und Shein bauen in einem Jahr auf, wof\u00fcr etablierte Anbieter Jahre gebraucht haben&#8220;, sagt Rico Back, Managing Partner der SKR AG. \u201eLieferschnelle, Kostenkontrolle und Zugang zu Kundendaten sind ihre Hebel \u2013 die neue Logik hei\u00dft: Local-to-Local statt Cross-Border. Damit verschiebt sich die Macht in der Lieferkette sp\u00fcrbar.\u201c  <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-accent-2-color has-text-color has-link-color wp-elements-229bbf95d63e3eb579dfb1c3b0794371\"><strong>Zollwende zwingt zum Strategiewechsel<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Befeuert wird diese Dynamik von der neuen Zollpolitik der USA und der EU. Die US-Regierung hat zum 29. August 2025 die Zollfreiheit f\u00fcr Warensendungen unter 800 US-Dollar gestrichen. In der EU soll die bisherige Freigrenze von 150 Euro sp\u00e4testens zum 1. M\u00e4rz 2028 entfallen.   <\/p>\n\n\n\n<p>Was Billigimporten ein Ende setzen sollte, erweist sich laut SKR-Analyse als Katalysator f\u00fcr Professionalisierung. \u201eDie Plattformen importieren nicht mehr Millionen Einzelpakete, sondern in ganzen Containern, verzollen zentral und verteilen von europ\u00e4ischen Umschlagzentren aus\u201c, erkl\u00e4rt Back. \u201eSo arrangieren sie sich mit den neuen regulatorischen H\u00fcrden, senken Kosten und Lieferzeiten und behalten die Kontrolle \u00fcber Kundendaten und die Supply Chain.\u201c  <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fulfillment-Netze in Rekordtempo aufgebaut<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>In den vergangenen zw\u00f6lf Monaten haben Temu und Shein Berichten zufolge ihre europ\u00e4ischen Kapazit\u00e4ten massiv ausgebaut. Temu betreibt inzwischen Lagerstandorte in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, den Niederlanden und \u00d6sterreich. Shein hat Zentren in Belgien, Frankfurt, Spanien, Italien, Irland und Polen errichtet. Das Ziel: schnellere Lieferzeiten, geringere Versandkosten, effiziente Zollabwicklung und lokales Retourenmanagement.   <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir sehen eine neue Generation globaler Plattformbetreiber, die in Europa eigene Logistik\u00f6kosysteme schaffen\u201c, so Back. \u201eDas schafft neue Volumenstr\u00f6me \u2013 der Preisdruck auf die letzte Meile wird jedoch nicht weniger.\u201c <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Paketdienste und Handel unter Druck<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Zustellung an den Endkunden verursacht \u00fcber 50 Prozent der Gesamtkosten einer Sendung. Plattformen erwarten vor allem bei Waren im g\u00fcnstigen Preissegment \u00e4u\u00dferst niedrige Zustellpreise. Wenn Paketdienste diese Sendungen aufnehmen, um Mengenvolumen stabil zu halten, k\u00f6nnen sie unter Druck geraten. Denn es zeigt sich: Die Margen stagnieren. Laut der <g id=\"gid_0\"><a href=\"https:\/\/bpex-ev.de\/download.html?getfile=BPEX_KEP-Studie_2025.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KEP-Studie 2025<\/a><\/g> des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik e. V. (BPEX) wuchsen in 2024 die deutschen B2C-Mengen um 5,5 Prozent, die profitableren B2B-Volumen sanken um 1,6 Prozent. Dabei ist der inflationsbereinigte Erl\u00f6s pro Sendung unter das Niveau von 2014 gefallen \u2013 h\u00f6here Kosten konnten kaum weitergegeben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um st\u00e4rker von der Online-Nachfrage zu profitieren, reagieren viele Dienstleister mit eigenen Fulfillment-Angeboten. Doch Back sieht auch Risiken: \u201eFulfillment ist kein Garant f\u00fcr Profitabilit\u00e4t \u2013 es ist kapitalintensiv und erfordert eine hohe Auslastung. Wer den Aufbau von Fulfillment-L\u00f6sungen strategisch nicht gut durchdenkt und Prozesse, Fl\u00e4chen und Transporte nicht digital integriert, verbrennt Geld statt zu verdienen.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Auch f\u00fcr den Handel versch\u00e4rft sich der Wettbewerb. \u201eWer weder billig noch besonders ist, wird zerrieben\u201c, sagt Back. \u201eWir beobachten, dass H\u00e4ndler g\u00fcnstige Eigenmarken aufbauen, neue Konzepte launchen oder kompromisslos auf Premium, Qualit\u00e4t und Service setzen. In jedem Fall entscheidet eine hocheffiziente Logistik \u00fcber die Wettbewerbsf\u00e4higkeit.\u201c  <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Europas strategische Herausforderung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die SKR AG weist auf die Folgen einer zunehmenden Plattform-Konzentration hin: \u201eWenn ein erheblicher Teil der Sendungsmengen von wenigen globalen Plattformen gesteuert wird, verlieren Logistikdienstleister ihre Verhandlungsmacht&#8220;, so Back. \u201eEuropa sollte nicht zum reinen Absatzmarkt werden, sondern Wertsch\u00f6pfung, Arbeitspl\u00e4tze und Daten auch in eigenen H\u00e4nden behalten. Strategisches Handeln ist gefragt: Lieferketten m\u00fcssen diversifiziert, Partnerschaften mit klaren Spielregeln aufgesetzt, Betriebseffizienz und Skalierung gezielt gesteigert sowie Innovation und Differenzierung beschleunigt werden.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chinesische Online-Plattformen wie Temu und Shein ver\u00e4ndern die europ\u00e4ischen Handels- und Logistikstrukturen in hohem Tempo. Mit massiven Investitionen in eigene Fulfillment- und Distributionszentren etablieren sie lokale Liefernetzwerke, die klassische Paketdienste und H\u00e4ndler zum Umdenken zwingen. 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