{"id":5355,"date":"2026-02-11T10:19:00","date_gmt":"2026-02-11T10:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/skr-ag.com\/?p=5355"},"modified":"2026-02-11T10:24:58","modified_gmt":"2026-02-11T10:24:58","slug":"pauschaler-zoll-greift-zu-kurz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/skr-ag.com\/de\/2026\/02\/11\/pauschaler-zoll-greift-zu-kurz\/","title":{"rendered":"Millionen Pakete, kaum Kontrolle: Pauschaler Zoll greift zu kurz"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><strong><strong>Die Anfang Januar ver\u00f6ffentlichte, gro\u00df angelegte EU-weite Zollkontroll-Aktion zeigt deutlich: Ein erheblicher Teil der aus Drittstaaten direkt an EU-Verbraucher gelieferten E-Commerce-Waren entspricht nicht den europ\u00e4ischen Produkt- und Sicherheitsstandards. Besonders betroffen sind Sendungen aus China. \u201eDiese Zahlen sind kein Ausrei\u00dfer, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems\u201c, sagt Rico Back, Managing Partner der SKR AG. \u201eDer europ\u00e4ische Zoll steht vor Importvolumina, die mit klassischen Kontrollmechanismen nicht zu bew\u00e4ltigen sind.\u201c   <\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ergebnisse der EU-weit angelegten Zollkontrollaktion, die gemeinsam mit den nationalen Markt\u00fcberwachungsbeh\u00f6rden durchgef\u00fchrt wurde, best\u00e4tigen diese Einsch\u00e4tzung. Bei der Kontrolle von rund 20.000 Spielzeugen und kleinen Elektronikartikeln erf\u00fcllte mehr als die H\u00e4lfte nicht die geltenden EU-Produktvorschriften. Eine Auswahl dieser Produkte wurde zus\u00e4tzlich in Laboren auf ihre Sicherheit getestet \u2013 <a href=\"https:\/\/taxation-customs.ec.europa.eu\/news\/large-scale-eu-customs-control-action-shows-most-third-country-e-commerce-goods-do-not-follow-2026-01-07_en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">84 Prozent der gepr\u00fcften Artikel wurden als gef\u00e4hrlich eingestuft<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-accent-2-color has-text-color has-link-color wp-elements-4d6cbae64ab93c5526a671b48f4053ce\"><strong><strong>\u00dcber 12 Millionen Pakete t\u00e4glich fluten die EU<\/strong><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Seit 2022 hat sich das Volumen der in die EU versandten Kleinsendungen jedes Jahr verdoppelt. Allein im Jahr 2024 wurden 4,6 Milliarden Pakete in den EU-Markt eingef\u00fchrt, \u00fcber 90 Prozent der Waren stammen aus China. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch im Juli 2025 setzte sich das Wachstum fort: Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurde ein weiterer Anstieg von 36 Prozent verzeichnet. Online-Plattformen treiben diese Entwicklung ma\u00dfgeblich voran \u2013 darunter insbesondere Anbieter wie Temu oder Shein. <\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig werden <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/wirtschaft_nt\/article68b09dbe8c33b226bcaeb5dc\/EU-Bericht-Grossteil-erfasster-illegaler-Produkte-aus-China.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU-weit nur etwa 0,008 Prozent aller Sendungen \u00fcberhaupt kontrolliert<\/a>. Das entspricht 82 Artikeln pro eine Million freigegebener Produkte. \u201eBei Millionen t\u00e4glicher Sendungen kann der Zoll nur stichprobenartig arbeiten\u201c, sagt Back. \u201eDas Problem ist daher kein mangelnder Wille der Beh\u00f6rden \u2013 sondern ein Handels- und Logistiksystem, das schneller w\u00e4chst als jede Kontrollf\u00e4higkeit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch stark steigende Ablehnungszahlen unterstreichen diese Entwicklung: <a href=\"https:\/\/www.retaildetail.eu\/news\/general\/eu-report-majority-of-illegal-products-come-from-china\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Im Jahr 2024 wurden 48.139 Artikel aus China zur\u00fcckgewiesen \u2013 ein Plus von 180 Prozent gegen\u00fcber 2022<\/a>. \u201eDiese Zahlen zeigen klar, dass das bestehende System mit der Dynamik des Onlinehandels strukturell nicht Schritt halten kann\u201c, so Back.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><strong>3-Euro-Zoll lindert das Kernproblem nicht<\/strong><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ab dem 1. Juli 2026 will die EU die bisherige Zollbefreiung f\u00fcr Sendungen unter 150 Euro beenden und eine pauschale Abgabe von 3 Euro f\u00fcr kleine Pakete einf\u00fchren. Aus Sicht der SKR AG adressiert diese Ma\u00dfnahme jedoch nicht das eigentliche Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDieser Betrag ist zu niedrig, um die Gesch\u00e4ftsmodelle gro\u00dfer Plattformen substanziell zu ver\u00e4ndern, und sie l\u00f6st kein einziges Kontrollproblem\u201c, sagt Back. \u201eDie Plattformen werden reagieren \u2013 mit Containerimporten, zentraler Verzollung, EU-Lagern und lokaler Zustellung. Die Strukturen \u00e4ndern sich, die Mengen bleiben.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Die aktuelle EU-Zollkontrollaktion macht nach Einsch\u00e4tzung der SKR AG deutlich, dass es nicht um h\u00e4rtere Einzelma\u00dfnahmen geht, sondern um eine grundlegende Systemfrage.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie entscheidende Frage lautet nicht, ob wir physisch mehr kontrollieren oder neue Abgaben einf\u00fchren\u201c, so Back. \u201eSondern wie Produktsicherheit und fairer Wettbewerb in einem Markt durchgesetzt werden sollen, der auf Millionen t\u00e4glicher Importsendungen ausgelegt ist. Solange diese Frage unbeantwortet bleibt, bleiben auch gut gemeinte Ma\u00dfnahmen St\u00fcckwerk.\u201c <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><strong>Produktsicherheit braucht System, nicht Symbolpolitik<\/strong><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Solange Produktsicherheit und fairer Wettbewerb in einem System durchgesetzt werden sollen, das t\u00e4glich Millionen von Importsendungen abwickelt, sto\u00dfen klassische Kontrollmechanismen zwangsl\u00e4ufig an ihre Grenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Naheliegend w\u00e4re daher ein struktureller Umbau \u2013 etwa in Form einer einheitlichen digitalen Zollplattform f\u00fcr die gesamte EU. Auf einer solchen Plattform m\u00fcssten alle E-Commerce-Sendungen bereits vor ihrem Eintreffen in Europa gemeldet werden. Plattformen w\u00e4ren verpflichtet, standardisierte Angaben zu Produkt, Hersteller, Herkunft, verantwortlicher Firma in der EU sowie zu Konformit\u00e4ts- und Sicherheitsnachweisen zu \u00fcbermitteln. Zollbeh\u00f6rden, Markt\u00fcberwachung und Produktsicherheitsstellen k\u00f6nnten europaweit auf denselben Datenbestand zugreifen \u2013 statt wie heute in 27 voneinander getrennten nationalen Systemen zu arbeiten.   <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSolange die EU an der Illusion festh\u00e4lt, Produktsicherheit auf Paketebene kontrollieren zu k\u00f6nnen, wird es weder fairen Wettbewerb noch wirksamen Verbraucherschutz geben\u201c, sagt Back. \u201eOhne einen strukturellen Umbau bleibt jede Ma\u00dfnahme kosmetisch.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anfang Januar ver\u00f6ffentlichte, gro\u00df angelegte EU-weite Zollkontroll-Aktion zeigt deutlich: Ein erheblicher Teil der aus Drittstaaten direkt an EU-Verbraucher gelieferten E-Commerce-Waren entspricht nicht den europ\u00e4ischen Produkt- und Sicherheitsstandards. 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