Der deutsche KEP-Markt wächst weiter, doch der Druck auf die letzte Meile nimmt zu. Aus Sicht der SKR AG entsteht der entscheidende Wettbewerb nicht allein über schnellere Lieferzeiten, sondern über die wirtschaftliche Steuerung unterschiedlicher Zustellnetzwerke. Klassische Paketnetze und hyperlokale Same Day-Modelle folgen grundlegend anderen Kosten-, Auslastungs- und Skalierungsregeln. Rico Back, Managing Partner der SKR AG, warnt davor, die beiden Geschäftsmodelle gleichzusetzen: „Wer flächendeckende Paketnetze und Sofortzustellung mit derselben Netzstruktur betreiben will, verliert Effizienz – und am Ende Geld.“
Nach Angaben des Bundesverbands Paket- und Expresslogistik (BPEX) wird das Wachstum im deutschen Paketmarkt inzwischen vor allem vom E-Commerce getragen. Während die B2C-Sendungen zuletzt um 5,5 Prozent zunahmen und mittlerweile rund 60 Prozent aller KEP-Sendungen ausmachen, ging das B2B-Geschäft leicht zurück.
Im E-Commerce wird die letzte Meile zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Nahezu alle Zustelldienste wollen vom Wachstum des Online-Handels profitieren. Höhere Sendungsmengen allein sichern jedoch keine Profitabilität. „In Teilen des Marktes stehen die Margen erheblich unter Druck“, sagt Back. „Nicht wegen fehlender Nachfrage, sondern weil Auslastung, Kostenstruktur und Serviceversprechen wirtschaftlich nicht immer zusammenpassen.“
Paketnetzwerke zwischen Wachstum und Margendruck
Die großen flächendeckenden Paketnetzwerke funktionieren nach einem klaren wirtschaftlichen Prinzip: hohe Sendungsbündelung, standardisierte Prozesse und Skaleneffekte. Zustellung wird dann wirtschaftlich, wenn große Mengen effizient über zentrale Hubs, gebündelte Hauptläufe, Direktverkehre und Depots verteilt werden.
Gleichzeitig investieren die Netzwerke zunehmend in urbane Lieferstrukturen. Studien und kommunale Pilotprojekte zeigen, dass Paketdienste verstärkt auf urbane Mikro-Hubs und gebündelte Same Day-Strukturen setzen.
Doch zusätzliche E-Commerce-Sendungen bedeuten für etablierte Paketnetzwerke nicht automatisch eine höhere Profitabilität. Entscheidend bleiben Auslastung, Kosteneffizienz und eine optimierte 24-Stunden-Regelzustellung. Out-of-Home-Strukturen und gebündelte Touren wirken nur dann, wenn sie innerhalb eines konsequent durchoptimierten Netzwerks eingebettet sind.
„Geschwindigkeit allein schafft noch kein funktionierendes Geschäftsmodell“, sagt Rico Back. „Entscheidend ist, ob sich die letzte Meile wirtschaftlich steuern lässt.“
Hyperlokale Zustellung folgt anderen Regeln
Parallel dazu haben sich hyperlokale Zustellmodelle etabliert. Getrieben durch Quick Commerce, Essenslieferdienste und Same Day-Angebote ermöglichen Mikro-Depots und lokale Fulfillment-Strukturen Lieferungen innerhalb weniger Stunden oder Minuten.
Doch auch viele hyperlokale Anbieter kämpfen mit hohen Stückkosten und dem Druck zur profitablen Skalierung. Dauerhaft wirtschaftlich funktionieren die Modelle vor allem dort, wo hohe Bestellfrequenzen und eine hohe Zustelldichte zusammentreffen.
„Hyperlokale Zustellung lebt von Geschwindigkeit und Dichte, klassische Paketnetze von Bündelung und Skaleneffekten“, sagt Rico Back. „Das sind keine zwei Geschwindigkeiten desselben Geschäfts, sondern zwei wirtschaftlich völlig unterschiedliche Systeme.“
Mischformen wie dedizierte Same Day-Subnetze großer Paketdienste oder Kooperationen mit urbanen Last-Mile-Plattformen können nach Einschätzung der SKR AG funktionieren. Voraussetzung ist jedoch, dass sie operativ organisatorisch klar getrennt werden. Werden Kosten, Kapazitäten und Erlöse vermischt, droht schleichende Margenerosion.
Die letzte Meile wird zum Wirtschaftlichkeitstest
Nach Einschätzung der SKR AG entscheiden künftig nicht allein Lieferzeiten über Wettbewerbsfähigkeit, sondern vor allem operative Effizienz, Qualität und intelligente Netzwerksteuerung.
Out-of-Home-Lösungen, alternative Zustellorte und gebündelte Touren gewinnen deshalb weiter an Bedeutung. Sie helfen nicht nur, Kosten auf der letzten Meile zu senken, sondern erhöhen zugleich die Flexibilität für Endkunden. Gleichzeitig steigt die Bedeutung technologischer Steuerungssysteme. Echtzeitdaten, KI-gestützte Tourenplanung, automatisierte Sendungssteuerung und digitale Infrastruktur werden zunehmend zu zentralen Wettbewerbsfaktoren in der Zustelllogistik.
„Der entscheidende Wettbewerb findet nicht zwischen den Modellen statt, sondern innerhalb des jeweiligen Geschäftsmodells“, sagt Rico Back. „Wer in seiner Netzstruktur Kosten, Auslastung und Servicequalität nicht beherrscht, gerät unter Druck – unabhängig von Unternehmensgröße oder Reichweite.“
Der Wettbewerb im KEP-Markt wird damit weniger über maximale Geschwindigkeit als über die richtige Netzstruktur entschieden. Bundesweite Paketnetze müssen Kosten, Auslastung und Servicequalität in der 24-Stunden-Regelzustellung optimieren. Hyperlokale Anbieter müssen Dichte, Frequenz und zusätzliche Erlösquellen in ihren Gebieten beherrschen. Wer beide Modelle vermischt, verliert Effizienz – wer sie getrennt optimiert, schafft die Grundlage für Profitabilität.






