Bequem ist teuer: Warum die Haustürzustellung an Grenzen stößt

Verbraucher erwarten heute flexible und bequeme Zustelloptionen. Paketdienste wiederum kämpfen mit steigenden Zustellkosten, Verkehrs- und Zustellproblemen in Innenstädten sowie wachsendem Margendruck. Paketshops, Paketautomaten und andere Out-of-Home-Lösungen wachsen deshalb europaweit rasant. „Die Haustür ist bequem, aber teuer“, sagt Rico Back, Managing Partner der SKR AG. „Out-of-Home entwickelt sich vom Zusatzservice zu einer strategischen Infrastruktur der Paketzustellung.“

Wie dynamisch sich der Markt verändert, zeigt der Blick auf Deutschland und Europa. DHL Group will die Zahl ihrer Abhol- und Abgabestationen bis 2030 auf 30.000 verdoppeln. Gleichzeitig investieren nahezu alle großen Paketdienstleister in den Ausbau ihrer Out-of-Home-Netze. GLS hat sein europäisches Netzwerk beispielsweise innerhalb von zwei Jahren von rund 70.000 auf mehr als 130.000 Standorte ausgebaut. Gemeinsam mit DPD verfolgt das Unternehmen in Deutschland mit der Marke „inboxx“ das Ziel, bis Ende 2027 eines der größten anbieteroffenen Out-of-Home-Netze des Landes mit 20.000 Abhol- und Zustellpunkten aufzubauen.

Auch Investoren bewerten den Zugang zu Out-of-Home-Netzen zunehmend als strategischen Wettbewerbsvorteil. Anfang 2026 kündigte ein von FedEx und Advent International geführtes Konsortium die Übernahme von InPost an. Die Bewertung von rund 7,8 Milliarden Euro unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung dichter Zustell- und Abholnetze für die Zukunft der letzten Meile.

In Polen und Teilen Skandinaviens sind Out-of-Home-Modelle bereits deutlich stärker im Alltag verankert als in Deutschland. Auch hierzulande wächst die Nutzung von Paketstationen und Abholpunkten kontinuierlich.

Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen der Empfänger. Viele Menschen sind beruflich und privat mobiler als früher und möchten selbst entscheiden, wann und wo sie ihre Sendungen erhalten. Es geht dabei nicht um immer schnellere Lieferungen, sondern vor allem um Flexibilität, Kontrolle und Verlässlichkeit bei der Zustellung.

Hinzu kommt: Die Rahmenbedingungen für die Zustellung in Städten werden anspruchsvoller. Mehr Verkehr, weniger Parkmöglichkeiten, Umweltzonen, Lieferzeitfenster und neue regulatorische Vorgaben erhöhen den Druck auf Paketdienste. Während die Paketmengen vor allem durch den E-Commerce weiter steigen, wird es zunehmend schwieriger, jede Sendung effizient und wirtschaftlich bis an die Haustür zu bringen.

Wirtschaftlichkeit und Kundenkomfort zusammenbringen

„Für die Branche ist vor allem eines wichtig – sie muss die letzte Meile wirtschaftlich auskömmlich organisieren und gleichzeitig den Wunsch der Konsumenten nach bequemer Zustellung erfüllen“, sagt Rico Back.

Out-of-Home-Strukturen ermöglichen es, Sendungen zu bündeln, Zustellstopps zu reduzieren und knappe Ressourcen effizienter einzusetzen. Deshalb investieren Paketdienste, Handelsplattformen und Investoren europaweit in den Ausbau entsprechender Netze.

„Der Erfolg entscheidet sich aber nicht an der Zahl der Paketstationen, sondern daran, wie intensiv sie genutzt werden“, sagt Rico Back. „Infrastruktur schafft nur dann einen wirtschaftlichen Vorteil, wenn sie ausreichend Volumen bündelt und Zustellung effizienter macht.“

Die richtige Balance wird entscheiden

Für Rico Back spricht vieles dafür, dass Out-of-Home-Strukturen in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen werden. Gleichzeitig bleibt die klassische Haustürzustellung für viele Verbraucher und Anwendungsfälle unverzichtbar.

Ob sich die milliardenschweren Investitionen in neue Zustellstrukturen langfristig auszahlen, wird jedoch nicht nur vom Ausbau der Netze abhängen. Wichtig ist, dass es gelingt, ausreichend Sendungsmengen auf diese Infrastruktur zu lenken und gleichzeitig den Erwartungen der Verbraucher gerecht zu werden.

„Die Branche investiert derzeit massiv in neue Zustellstrukturen“, sagt Rico Back. „Das allein garantiert noch keinen Erfolg. Entscheidend wird sein, welche Modelle von den Kunden angenommen werden und sich gleichzeitig wirtschaftlich betreiben lassen.“